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Wird der Housing-Server den Kraftwerken konkurrieren

Es klingt wie ein Märchen: direkte Umwandlung der Prozessor-Abwärme in elekt. Energie. Investoren aus der ganzen Welt verhielten sich wie Wespen die eine Melone befliegen, sobald die phantastischen Nachrichten darüber zu Tage rückten, dass die Firma ENECO eine Komponente entwickelte, welche sich auf beliebige Rechnerchips anwenden lässt und welche die Konvektion der Abwärme der Chips zur Rückgewinnung elektrischer Energie durchführt. In den Firmenunterlagen spricht man von einer „thermionischen Energieumsetzung“.


Server und Abwärme

Die Wärme, die vom Prozessor hauptsächlich in konzentrierter Form in den Serverräumen und Datenzentren generiert wird, ist nur ein „schädlicher Abfall“. Dieser Abfall muss kompliziert abgeleitet werden, also genauer für den Preis des Verbrauchs einer weiteren teuren Energie abgeleitet und in die äußere Umgebung zerstreut werden. Zunächst vom Chip aus in den Raum um ihn herum, weiter durch einen Ventilator aus dem Computerinneren in den Serverraum und von hier aus weiterer unvollkommener Wärmeübergabe von Klimatisierungseinheiten in den äußeren Raum ausserhalb des Serverraums. Diese Abwärme könnte jedoch eine Quelle wertvoller Elektroenergie werden. Anstatt eines weiteren Energieverbrauchs zur Kühlung, vermindert sich vielmehr der Energieverbrauch nicht nur dadurch, dass weniger als die Hälfte Abwärme erzeugt wird, sondern darüber hinaus noch ein größerer Teil der ursprünglichen Abwärme in Elektroenergie umgewandelt wird. Diese Energie kann wiederum zur Versorgung der Telehouseeinrichtung genutzt werden.

 

Wie funktioniert das ganze?

Wärme ist eine der Grundformen der Energie, sie ist überall um uns. Gewissermaßen intuitiv wissen wir, dass eine frisch gebrühte Tasse Tee mehr Energie beinhaltet als dieselbe Tasse zwei Stunden später, wenn der Tee abgekühlt ist. Die Wärme hat sich im Umkreis zerstreut. Wärme auf physikalischer Atomebene ist deren kinetische Energie. Falls sie quasi „keine“ Energie haben (energielos sind), gefrieren sie – so wie unsere Tasse Tee beim weiteren Abkühlen im Winter draussen am Fenster oder in der Tiefkühltruhe.


Derweil die Partikel auf atomarer Ebene „gefrieren“ und ruhig gestellt werden können, wie zum Beispiel im Wasser bei einer Temperatur unter 0°C sind auf subatomarer Ebene Elektronen bei Temperaturen, die höher sind als die Temperatur der absoluten Null (-273,15°K) immer in Bewegung. Die Elektronen bewegen sich nicht nur um den Atomkern herum, sondern sie wechseln hauptsächlich in Metallen ihre Plätze. Und die Bewegung der Elektronen ist der elektrische Strom. Im erwärmten Zustand haben Elektronen eine höhere Energie und sind bereitwilliger, ihre Stelle zu ändern beziehungsweise eventuell in den benachbarten Atom über zu springen. Diese Sprünge sind keineswegs groß, es handelt sich um Entfernungen von einem bis zehn Nanometer.


Ein wenig Geschichte

Die thermoelektrische Erscheinung ist schon verhältnismäßig lange bekannt. Sie wurde per Zufall im Jahre 1821 von dem deutschen Physiker Thomas Johann Seebeck entdeckt, der feststellte, dass zwischen zwei Enden einer Metallstange eine elektrische Spannung existiert, im Falle dass an diesen Enden ein Temperaturunterschied vorliegt. Weiterhin wurde nach ihm der sgn. Seebecksche Effekt benannt: sind zwei Leiter aus verschiedenen Metallen in einer geschlossenen Leitung verbunden und weisen eine unterschiedliche Temperatur auf, fließt durch diese Leitung elektrischer Strom. Diese Erscheinung wird noch heute in Thermoelementen zur elektronischen Temperaturmessung angewendet.


Im Jahre 1834 dann beschrieb Peltier einen Effekt, dass, wenn beim Gleichstrom, der aus der äußeren Quelle fließt, der durch eine Leitung zweier verschiedener Metalle gebildet ist, dann ein Temperaturunterschied zwischen beiden Verbindungen entsteht. Wenn der Strom aus der äußeren Quelle durch den gegebenen Anschluss in die gleicher Richtung fließt, welche der Strom beim Erwärmen in Seebecks Erscheinung hat, dann kühlt sich der gegebene Anschluss ab. Wenn der Strom durch die andere Richtung fließt, dann erwärmt sich der Anschluss. Der Peltier-Effekt hängt von der Metallart und deren Temperatur ab.


Das ist der Grundsatz thermoelektrischer Teile. Ein theromoelektrisches Teil, einfach ausgedrückt, entwickelt elektrischen Strom in Abhängigkeit auf die Temperaturunterschiede an seinen beiden Seiten oder Temperaturunterschiede in Abhängigkeit auf dem elektrischen Fluss. Man kann es nicht nur zur Kühlung sondern auch zur Erwärmung anwenden. Zur Erwärmung haben wir selbstverständlich eine ganze Reihe zur Auswahl – meistenteils günstigere Verfahren und so bleibt als Hauptgebiet der praktischen Anwendungen die Kühlung. Allerdings kann man die Eigenschaften der thermoelektrischen Teile auch zum genauen Temperaturmessen in verhältnismäßig großem Temperaturausmaß (nach angewandten Materialien bis zu 1600°C) erfolgreich nutzen. Und letztendlich kann das thermoelektrische Teil auch überall dort zur Stromproduktion genutzt werden, wo ein Temperaturunterschied vorhanden ist. Und das ist eben der Fall Chipoberfläche – Prozessor.


Der moderne Weg über Halbleiter und Nanotechnologie

Die Hauptproblematik (Schwierigkeit) in thermoelektrischen Materialien liegt darin, dass es gleichzeitig mit der angestrebten Bewegung der Elektronen auch zum nichterwünschten Temperaturdurchdringen und damit zur Reduzierung der Temperatursenkung (Temperaturunterschiede) kommt und dadurch auch zur möglichen Wirksamkeit der gesamten Anlage – dem thermoelektrischen Teil.


Das Problem des Bestehens des Temperaturgradients (der Temperaturunterschiede an beiden Enden der Teile) versucht man in der Hauptforschung auf dem Gebiet der Findung eines solchen Anschlusses (Tores) zu lösen, welche die Elektronen gut durchlassen wird und den größtmöglichen thermischen Widerstand haben wird. Gerade ENECO arbeitet mit Halbleitern. Die Nutzung der Halbleiter könnte für die thermoelektrischen Teile einige grundlegende Vorteile haben. Der erste und grundlegende Vorteil soll auf der viel höheren Wirksamkeit liegen, als bei den klassischen Teilen, die aus zwei verschieden Metallen gebildet sind. Bei Halbleitern ist obendrein in der Chipindustrie die Technologie der Verarbeitung und Auftragung (resp. Bedampfungsprozess) beliebig dünner Schichten auf beliebig große oder kleine Flächen sehr gut bewältig. ENECO behauptet somit, dass sie in der Lage sind, in die Wirkung von 50% des Carnotzyklus zu kommen, und damit eine Auswirkung von ca. 30% in der Umwandlung der Abwärme in elektrische Energie erreichen.


Nicht nur mit Rosen ist der Weg voraus geschmückt

Auch durch optimistische Proklamationen über Prozentwirkungen und baldigen Terminen der Einführung der Kommerzprodukte auf den Markt (1.Quartal 2008) ist vieles auf dem Papier geblieben. Der Weg zur Durchbruchsnutzung der Prozessor-Abwärme ist nicht mit Rosen gesäumt. Die Forschung ist sehr kostspielig und die Geduld der Investoren kurz. Komplikationen bei der Entwicklung des kommerziell einsetzbaren Teiles haben zum Verzug geführt und mit dem Ergebnis, das am 18. Januar 2008 die ENECO um Schutz vor Gläubigern gebeten hat.


Inzwischen ist ein weiterer Hersteller – die Firma Power Chip aus Gibraltar erschienen – dessen Chip angeblich die Wirkung von 80% des Carnotzyklus hat, d.h. ungefähr 50% Wirkung der Wärmeumwandlung in elektrische Energie. Power Chip setzt auf Nanotechnologie. Mit dieser Hilfe soll angeblich möglich sein, ein thermoelektrisches Teil zu bilden, wo zwischen zwei thermoelektrischen Materialien eine Schicht – Nanomembrane – sein würde, die einen leichten Durchgang der Elektronen ermöglichen und die unerwünschte Wärmeübertragung verhindern würde.


Ob diese Technologie irgendwann in Zukunft erfolgreich bewältigt wird – also auf akzeptierbarer Effektivitätsebene im Verhältnis zu den Produktionskosten – ist noch unklar. Die Physik schließt dieses nicht aus. Oder bekommen wir früher eine billigere, sichere und nichtausschöpfbare Energie aus Kernfussionen?

Aller Wahrscheinlichkeit nicht. Diese billige Energie wird es schon deshalb nie geben, weil das energetische Geschäft viele starke Spieler hat, die bereit sind, jedes beliebige neue Gebiet der Produktion und Energiedistribution zu monopolisieren, falls so ein Gebiet erscheinen würde. Und so bleibt die Perspektive der Nutzung der Abwärme mit dem Nebeneffekt der Prozessorkühlung weiterhin sehr verlockend.

 

Karel Umlauf

COOLHOUSING.NET

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